4. Excel und manuelle Reports sind betriebskritisch geworden
Excel ist nicht grundsätzlich ungeeignet. Tabellenkalkulationen sind flexibel, weit verbreitet und für Analysen, Importe oder Exporte hilfreich.
Kritisch wird die Nutzung, wenn einzelne Dateien zentrale Betriebsfunktionen übernehmen.
Typische Warnsignale sind komplexe Formeln, Makros, lokale Dateikopien und manuell vergebene Versionsnamen. Häufig versteht nur eine Person den vollständigen Aufbau der Datei.
Das gleiche Problem zeigt sich im Reporting.
Für einen Monatsbericht werden Ticketzahlen aus einem Postfach gezählt, Wartungsdaten aus mehreren Tabellen exportiert und Kosten aus einem weiteren System ergänzt. Anschließend werden die Werte manuell in eine Präsentation oder Berichtsvorlage übertragen.
Der fertige Bericht kann professionell aussehen. Der Entstehungsprozess ist dennoch langsam, fehleranfällig und schwer reproduzierbar.
So prüfen Sie das Anzeichen
Führen Sie zunächst einen einfachen Ausfalltest durch:
Was würde passieren, wenn die wichtigste Facility-Management-Excel-Datei für einen kompletten Arbeitstag nicht verfügbar wäre?
Prüfen Sie, ob folgende Aufgaben trotzdem zuverlässig möglich wären:
- fällige Wartungen identifizieren,
- offene Aufträge priorisieren,
- Anlageninformationen abrufen,
- Nachweise finden,
- Dienstleister steuern,
- Berichte erstellen.
Protokollieren Sie außerdem bei den nächsten drei wiederkehrenden Reports:
- die gesamte Erstellungszeit,
- die Anzahl der verwendeten Dateien und Systeme,
- die Anzahl manueller Kopier- und Übertragungsschritte,
- die Anzahl nachträglicher Korrekturen,
- die Zeit bis zur Aktualisierung einer Kennzahl.
Das Anzeichen trifft zu, wenn ein wiederkehrender Report mehr als zwei Stunden manuelle Arbeit erfordert oder ein wichtiger Betriebsprozess von einer einzelnen Datei abhängt.
5. Dokumente und Nachweise sind nicht zuverlässig verfügbar
Im Facility Management entstehen täglich zahlreiche Dokumente.
In vielen Unternehmen werden diese Dokumente in Ordnerstrukturen abgelegt, die nach Abteilungen, Jahren oder Projekten organisiert sind.
Das Problem: Eine reine Ordnerstruktur bildet den betrieblichen Zusammenhang häufig nicht vollständig ab.
Ein Prüfbericht gehört nicht nur in einen Jahresordner. Er gehört zu einer bestimmten Anlage, an einem bestimmten Standort, im Zusammenhang mit einem konkreten Prüfauftrag.
Fehlt diese Verbindung, beginnt bei jeder Recherche die Suche von vorn.
Besonders sichtbar wird das Problem bei Audits oder Nachweisanforderungen. Dann müssen Mitarbeitende E-Mail-Verläufe durchsuchen, Unterlagen bei Dienstleistern anfordern und verschiedene Listen miteinander abgleichen.
Die zentrale Frage lautet:
Entsteht der Nachweis bereits während der täglichen Arbeit – oder muss er später rekonstruiert werden?
So prüfen Sie das Anzeichen
Wählen Sie zehn zufällige Gebäude, Anlagen oder abgeschlossene Arbeitsaufträge aus.
Lassen Sie eine Person, die nicht täglich mit der Ablage arbeitet, jeweils das aktuelle relevante Dokument suchen.
Messen Sie:
- die Suchdauer,
- die Anzahl geöffneter Ordner oder Systeme,
- die Anzahl gefundener Versionen,
- die Eindeutigkeit des aktuellen Dokuments,
- die Erkennbarkeit der Objektzuordnung,
- die Erkennbarkeit von Freigabe und Gültigkeit.
Werten Sie zusätzlich das letzte Audit oder die letzte größere Nachweisanforderung aus:
- Wie viele Personen waren beteiligt?
- Wie viel ungeplante Arbeitszeit entstand?
- Wie viele Dokumente mussten nachträglich angefordert werden?
- Wie viele Historien wurden manuell rekonstruiert?
- Welche Nachweise waren nicht unmittelbar verfügbar?
Das Anzeichen trifft zu, wenn mindestens eines von zehn Dokumenten nicht innerhalb von drei Minuten gefunden und eindeutig zugeordnet werden kann oder die Auditvorbereitung mehr als einen Personentag ungeplanten Aufwand verursacht.
6. Ihre Prozesse skalieren nicht mehr
Ein zusätzlicher Standort bedeutet selbstverständlich mehr Gebäude, Anlagen, Verträge und Wartungsaufträge. Der Aufwand kann daher nicht vollständig unverändert bleiben.
Ein Skalierungsproblem entsteht jedoch, wenn für jeden neuen Standort zusätzliche Sonderlisten, eigene Ablagen und individuelle Berichtsformate eingerichtet werden müssen.
Dann wächst der Verwaltungsaufwand schneller als das operative Volumen.
Ein ähnliches Problem entsteht bei externen Dienstleistern. Häufig verlaufen interne und externe Abläufe in getrennten Prozesswelten:
- Der Auftrag wird per E-Mail verschickt.
- Der Termin wird telefonisch abgestimmt.
- Der Status wird in einem System des Dienstleisters gepflegt.
- Fotos werden per Messenger übermittelt.
- Der Leistungsnachweis kommt als PDF.
- Der Abschluss wird später manuell in eine interne Liste übertragen.
Dadurch entspricht der interne Status häufig nicht dem tatsächlichen Bearbeitungsstand. Informationen müssen mehrfach übertragen werden und gehen an den Schnittstellen verloren.
So prüfen Sie das Anzeichen
Vergleichen Sie zwei Zeiträume vor und nach der Aufnahme zusätzlicher Standorte.
Ermitteln Sie:
- die Anzahl betreuter Standorte,
- die monatlichen administrativen Arbeitsstunden,
- die Anzahl verwendeter Dateien,
- die Anzahl unterschiedlicher Prozessvarianten,
- den Aufwand für standortübergreifendes Reporting,
- die Anzahl manueller Datenabgleiche.
Steigt die Anzahl der Standorte beispielsweise um zehn Prozent, der Verwaltungsaufwand jedoch um 20 Prozent, wächst der Aufwand überproportional.
Prüfen Sie zusätzlich für externe Aufträge, ob folgende Schritte zentral dokumentiert werden:
- Beauftragung,
- Annahme,
- Terminierung,
- Statusänderungen,
- Rückfragen,
- Leistungsnachweis,
- Abnahme,
- Abschluss.
Das Anzeichen trifft zu, wenn neue Standorte regelmäßig neue Schattenprozesse erzeugen oder externe Dienstleister wesentliche Arbeitsschritte außerhalb Ihrer zentralen Abläufe dokumentieren.