3. Aufwand erfassen: Mehr als den Softwarepreis vergleichen
Ein CAFM-Business-Case bleibt unvollständig, wenn er nur die Anschaffungs- oder Lizenzkosten betrachtet. Bereits der Ausgangsbeitrag weist darauf hin, die Gesamtbetriebskosten über mehrere Jahre einzubeziehen und Datenqualität, Schulung sowie Change-Management nicht zu unterschätzen.
Für Ihre Planung sollten Sie deshalb zwischen dem Aufwand der Einführung und dem Aufwand im laufenden Betrieb unterscheiden.
| Aufwandsbereich |
Bei der Einführung berücksichtigen |
Im Betrieb und bei Erweiterungen berücksichtigen |
| Software und Betrieb |
Bereitstellung und Einrichtung gemäß Angebot |
Nutzungsgebühren sowie gegebenenfalls zusätzliche Betriebs- und Supportleistungen |
| Prozesse und Konfiguration |
Anforderungen, Workflows, Rollen und Berechtigungen |
Anpassungen an veränderte Abläufe |
| Daten |
Bestandsprüfung, Bereinigung, Strukturierung und Migration |
Laufende Pflege und Qualitätssicherung |
| Schnittstellen |
Anbindung vorhandener Systeme und Prüfung des Datenaustauschs |
Betreuung und Anpassung der Anbindungen |
| Schulung und Veränderung |
Einarbeitung der Nutzergruppen und Kommunikation neuer Abläufe |
Schulung neuer Mitarbeitender und Auffrischung vorhandenen Wissens |
| Interne Ressourcen |
Projektleitung, Workshops, Abstimmungen und Tests |
Systemadministration, Anwenderunterstützung und Weiterentwicklung |
Prüfen Sie bei jedem Angebot, welche Leistungen bereits enthalten sind. Wartung, Updates oder Support dürfen weder übersehen noch doppelt angesetzt werden.
Interne Mitarbeit gehört in die Kalkulation
Auch wenn Ihre Mitarbeitenden keine separate Rechnung für das Projekt stellen, benötigen sie Zeit für Datenprüfung, Entscheidungen, Tests und Schulungen. Halten Sie diesen Einsatz deshalb ausdrücklich fest.
Klären Sie früh, wer Anforderungen freigibt, Daten bereitstellt und später die Systemverantwortung übernimmt. Ein Projektplan sollte nicht nur zeigen, wann Aufgaben stattfinden, sondern auch, wer dafür tatsächlich verfügbar ist.
Datenqualität ist ein dauerhafter Aufwand
Die Datenbereinigung gehört vor die Migration. Danach braucht es weiterhin klare Zuständigkeiten: Wer legt neue Anlagen an? Wer aktualisiert Vertragsdaten? Wer kontrolliert, ob Informationen vollständig und einheitlich erfasst werden?
Diese Aufgaben sind keine Nebensache. Sie gehören zu den Voraussetzungen dafür, dass die geplanten Prozesse und Auswertungen verlässlich funktionieren.
4. Nutzen und Aufwand gegenüberstellen: Welche Annahmen tragen die Rechnung?
Legen Sie für Ihre Bewertung einen einheitlichen Betrachtungszeitraum fest. Vergleichen Sie nicht den Nutzen eines vollständig ausgebauten Systems mit den Kosten einer kleinen ersten Einführungsphase.
Für eine einfache Gegenüberstellung können Sie zunächst folgende Rechnung verwenden:
Finanzieller Überschuss im Betrachtungszeitraum = budgetwirksame Einsparungen − einmalige und laufende Zusatzkosten
Zeitliche Entlastung und qualitative Verbesserungen weisen Sie daneben separat aus. So wird sichtbar, welcher Teil des Nutzens tatsächlich Ausgaben reduziert und welcher Teil die Leistungsfähigkeit Ihrer Organisation verbessert.
Berücksichtigen Sie außerdem, ab wann ein Nutzen entstehen kann. Wenn ein Prozess erst im Laufe des Jahres eingeführt wird, sollten Sie nicht bereits für dieses gesamte Jahr den vollen Effekt ansetzen.
Prüfen Sie anschließend, wie empfindlich Ihre Bewertung auf veränderte Annahmen reagiert. Was passiert, wenn die Datenaufbereitung aufwendiger wird? Wenn eine Schnittstelle später verfügbar ist? Oder wenn die tatsächliche Zeitersparnis geringer ausfällt als zunächst angenommen?
Ein möglicher Ansatz ist, einer erwarteten Entwicklung eine vorsichtigere Variante gegenüberzustellen. Damit erkennen Sie, welche Unsicherheiten für die Entscheidung besonders wichtig sind.
Achten Sie auch auf Doppelzählungen: Wenn mobile Rückmeldungen die Nachbearbeitung eines Tickets verkürzen, darf dieselbe eingesparte Zeit nicht zusätzlich vollständig als allgemeine Effizienzsteigerung im Ticketmanagement auftauchen.
5. Prioritäten setzen: Was gehört in die erste Ausbaustufe?
Nicht jeder sinnvolle Anwendungsfall muss zum Start umgesetzt werden. Umgekehrt ist der Prozess mit dem geringsten Einführungsaufwand nicht automatisch der wichtigste.
Klären Sie zunächst, welche Anforderungen für den gewählten Projektumfang unverzichtbar sind. Dazu können beispielsweise die strukturierte Verwaltung von Anlagen, die Dokumentation von Wartungen oder der mobile Zugriff für das technische Team gehören. Welche Anforderungen tatsächlich Must-haves sind, hängt von Ihren Prozessen ab.
Für die weitere Reihenfolge können Sie die Anwendungsfälle in drei Gruppen einteilen.
Für den Start erforderlich
Hierzu gehören Anforderungen, ohne die der vorgesehene Prozess nicht sinnvoll funktionieren würde. Auch notwendige Datenstrukturen, Zuständigkeiten und Schnittstellen müssen berücksichtigt werden.
Ein Beispiel: Wenn Wartungsaufträge eindeutig Anlagen zugeordnet werden sollen, benötigen Sie dafür zunächst eine brauchbare Anlagenstruktur. Diese Vorarbeit lässt sich nicht überspringen, nur weil sie selbst noch keinen sichtbaren Automatisierungseffekt erzeugt.
Früh umsetzen, weil Nutzen und Aufwand zusammenpassen
Für einen frühen Einstieg kommen Prozesse infrage, deren Nutzen klar beschrieben ist und deren Voraussetzungen bereits weitgehend vorliegen.
Das könnte etwa ein häufig genutzter Meldeprozess sein, bei dem heute viel manuelle Abstimmung entsteht. Entscheidend ist jedoch Ihre konkrete Ausgangslage – nicht eine pauschale Empfehlung, immer mit einem bestimmten Modul zu beginnen.
Bewusst für später einplanen
Weitere Funktionen können sinnvoll sein, ohne bereits zum Start erforderlich zu sein. Halten Sie diese Anforderungen fest, statt sie entweder sofort in den Projektumfang aufzunehmen oder vollständig zu verwerfen.
Prüfen Sie dafür, welche zusätzlichen Daten, Schnittstellen oder organisatorischen Veränderungen benötigt werden. So entsteht eine begründete Ausbauplanung.
Bewerten Sie jeden Anwendungsfall nach Nutzen, Aufwand, Dringlichkeit und Abhängigkeiten. Eine hohe Priorität ist dann nachvollziehbar, wenn Sie erklären können, warum der Prozess jetzt wichtig ist und welche Voraussetzungen für seine Umsetzung erfüllt sind.
Auch die bisherigen Auswahlkriterien erhalten damit einen klaren Bezug zum Business Case: Mobile Nutzung ist relevant, wenn sie Medienbrüche in Ihren Abläufen reduziert. Eine Schnittstelle ist relevant, wenn sie benötigte Daten durchgängig verfügbar macht. Flexibilität ist relevant, wenn Sie absehbare Veränderungen ohne unverhältnismäßigen Zusatzaufwand abbilden möchten.